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19. August 2020 |

Zwischen Komik & Depression: 3 Fragen an Manuel Wolff vom BOING!-Podcast

Comedian Manuel Wolff widmet sich nicht nur den lustigen Seiten des Lebens, sondern redet außerdem offen über seine Depressionserkrankung; direkt zu den Hörer*innen, aber auch im Gespräch mit seinen Interview-Partner*innen.

Die süßen und die bitteren Seiten des Lebens

Manuel Wolff ist Comedian, und als solcher auch Betreiber des BOING! Comedy Clubs in Köln. Außerdem ist er „leicht depressiv, viel zu negativ und oft zu direkt und vorwurfsvoll“, wie es im Intro des BOING!-Podcast heißt. Womit gleich ein zentraler Punkt definiert ist: Wolff widmet sich nicht nur den lustigen Seiten des Lebens, sondern redet außerdem offen über seine Depressionserkrankung; direkt zu den Hörer*innen, aber auch im Gespräch mit seinen Interview-Partner*innen. Dabei geht es ihm darum, die Menschen „hinter der öffentlichen Maske“ (besser) kennenzulernen – und dabei auch sich selbst.

Die Gäste in Wolffs Podcast sind mehrheitlich Berufskolleg*innen, mit denen gemeinsam der Host „das Interesse an ehrlicher Stand-up Comedy wecken will, die weit über das hinaus geht, was im Fernsehen zu sehen ist“. Idealerweise soll so auch der BOING! Comedy Club außerhalb von Köln an Bekanntheit gewinnen. Dessen Konzept umfasse neben den Bühnenshows auch Comedy-Workshops und Comedy-Coachings – durchaus auch via Online-Meeting. Und all das auch als Vorbereitung auf die Zeit nach der Corona-Pandemie: „Vielleicht können wir dann auch in anderen Städten unsere Shows etablieren.“

Dass Wolff im Podcast auch über seine Depressionen redet, sei weniger dem Anliegen geschuldet, damit die Gesellschaft zu verändern, sondern in dieser Gesellschaft zurecht zu kommen: „Natürlich ist es noch ein weiter Weg. Aber ich finde, die Gesellschaft ist schon langsam dabei, sich für das Thema zu sensibilisieren. Mein Anliegen im Podcast ist aber hauptsächlich Offenheit und Ehrlichkeit.“ Er wolle einfach über die Themen reden, die ihn beschäftigen. „Natürlich würde ich gerne eine offenere, ehrlichere Gesellschaft präferieren, aber mein Podcast wird das nicht hinkriegen, irgendjemand zu verändern.“

Wann und wie ist die Idee zum Podcast entstanden, und wie wurde über den Titel entschieden?

Der BOING! Comedy Club, den ich als Comedian betreibe, ist eine Show-Reihe, bei der viele Comedians, Profis und Newcomer auftreten. Es war ziemlich schnell klar, dass ich den Podcast auch unter der „BOING!“-Marke betreiben will, weil meine Comedy-Kollegen den Comedy-Club kennen und ich das Wort „BOING!“ so schön finde. Die Idee, einen Podcast zu machen, trage ich schon ewig mit mir rum. Früher, als ich nur auf www.uiuiuiuiuiuiui.de gebloggt habe (mittlerweile führt der Link zum Podcast, Anm.), hatte ich mal eine Weile „die ui-Radioshow“. Das war auch eine Art Podcast, nur halt noch nicht mit der Distribution, wie heutzutage Podcast verteilt werden. Es war eher was zum Live hören und in der Sendung anrufen. Doch als ich auf Marc Maron’s „WTF Podcast“ gestoßen bin, ist mir klar geworden, dass ich genau das haben möchte: Ein Gast pro Sendung, mit dem ich ein richtig ausführliches, ehrliches Gespräch führen kann. Denn manchmal fehlen mir in der Szene ein wenig die Authentizität und Ehrlichkeit. Und mit dem Corona-Lockdown fand ich endlich die Zeit, das Ganze mal anzugehen.

Was ist die größte Überraschung (positiv oder negativ) bzw. die interessanteste Begebenheit, die es in Zusammenhang mit dem Podcast in den letzten Monaten gab?

Also den Podcast gibt es erst seit Mitte Mai 2020, aber die größte Überraschung, die ich in den ersten Monaten hatte, war, wie einfach es mir doch fällt, so ehrliche Gespräche zu führen. Und dass die Zeit vergeht wie im Flug, ohne dass die Gespräche langweilig werden. Auch sehr interessant ist, was manche Gäste sich für Geheimnisse entlocken lassen und welche Gemeinsamkeiten man mit den Gästen entdeckt. Ich selbst habe ja Depressionen und berichte frei darüber, und es ist interessant, dass sehr viele Comedians auch Probleme in diese Richtung haben. Ich fand auch sehr interessant, wie Maxi Gstettenbauer davon berichtet hat, wie er sich Hilfe diesbezüglich holte. Und ein ganz tolles Gespräch hatte ich mit Monika Sieberichs, die mit 30 Jahren eine Geschlechtsanpassung durchlaufen hat. Und auch das lebhafte Streitgespräch mit Gerd Buurmann war spitze, der eine komplett andre

Vorstellung als ich darüber hat, was Kunst sein soll. Und Torsten Schlosser, bei dem ich mich seit Jahren wundere, was ist ernst gemeint und was nicht – auch im Privaten – hat endlich mal hinter die Fassade blicken lassen. Auch sehr interessant war das Gespräch mit Schauspieler Florian Simbeck darüber, wie das tatsächlich mit der Trennung von Erkan & Stefan war.

Wird mit dem Podcast auch (schon) Geld verdient bzw. ist das geplant? Wenn ja: wie?

Bisher habe ich damit noch kein Geld verdient, aber ich hoffe auf eine Symbiose mit den anderen Projekten. Ansonsten habe ich keine Ahnung, wie man mit Podcasting Geld verdienen kann. Ich bin aber für jeden Rat offen, denn dank Corona habe ich plötzlich kein Geld mehr.

Bernhard Madlener