Der Podcast-Markt im Fokus

26. August 2020 |

Daniel Roßmann: „Gibt es schon zu viele Podcasts? Natürlich nicht.“

Anfang 2020 machte sich Daniel Roßmann (links) selbständig. Als Gründer der Podcastwerktstatt unterstützt er Firmen, Politiker*innen und Private bei der Podcast Produktion.

Er gehört zu den Vorreitern der österreichischen Podcast-Szene. Gemeinsam mit Daniel Kosak rief Daniel Roßmann Ende 2017 den beliebten Interview- und Plauder-Podcast „Rosi & Kosi“ ins Leben. Anfang 2020 machte er sich mit der Podcastwerkstatt selbständig, um auch für andere Podcasts zu produzieren. Dafür gab er seine Anstellung im PR-Bereich auf. 

Zu den Produktionen der Podcastwerkstatt zählen u.a. Nicole Schöndorfers „Darf Sie das?“, der politische „Kompass“ des Kärntner Landeshauptmanns Peter Kaiser sowie der Podcast des Medien-Fachmagazins HORIZONT. In einem Artikel auf LinkedIn hat Daniel Roßmann einige Gedanken zum Status quo und der künftigen Bedeutung von Podcasts als Kommunikations-, Unterhaltungs- und Werbekanal gemacht. Diese dürfen wir hiermit (in leicht editierter Form) auch unseren Leser*innen zugänglich machen: 

Der Trend geht zu Audio

Sehen und gesehen werden. Den Spruch kennen wir alle – und genau dieser Spruch wird langsam aber sicher abgelöst von „hören und gehört werden“: Sprachassistenten wie Siri und Alexa, mittlerweile aber auch soziale Netzwerke wie  TwitterLinkedIn und viele weitere Plattformen funktionieren entweder vollständig oder zumindest teilweise mit einer Audio-Funktion. Google transkribiert bereits Podcasts auf seinen Plattformen, um sie auffindbar zu machen, ohne dass man den Titel des Podcasts oder einer Episode kennt. Das Transkript wird in den Quellcode eingearbeitet.

Der „Hype“ rund um Podcasts dauert schon viel zu lange, um ihn überhaupt noch einen Hype nennen zu können. Jedes Jahr überschlagen sich die Nutzerzahlen aufs Neue, und auch „klassische“ Medienhäuser sehen Podcasts nicht mehr nur als zusätzliches Format, das bespielt werden muss, sondern als wichtige Erweiterung ihres Angebots – und das auch zurecht. Während wir für „klassische“ Inhalte wie Texte, Bilder oder Videos einen Bildschirm brauchen, konsumieren wir die Inhalte eines Podcasts ohne direkte bzw. dauerhafte Interaktion mit einem technischen Gerät: Das Smartphone bleibt nämlich in der Tasche, am Schreibtisch oder in seiner Halterung im Auto, oder auf dem Lenker unseres Fahrrads. Das Podcast-Format erlaubt es uns, die Inhalte in einer Situation zu konsumieren, in der wir andere Medien nicht oder nur sehr schwer konsumieren könnten. 

„Die User nehmen das Heft selbst in die Hand“

Beim Putzen hören wir berühmten Menschen zu, wie sie über das Leben philosophieren. Wir lassen uns beim Sport erklären, was es mit künstlicher Intelligenz in Fahrzeugen auf sich hat, oder hören beim Einkaufen einer Sexualwissenschaftlerin zu, die uns erläutert, welche Praktiken beim Liebesakt gerade modern sind. Durch dieses Format haben sich die Möglichkeiten, Inhalte zu konsumieren, deutlich erweitert.

Die User nehmen das Heft wieder selbst in die Hand. Während im Sekundentakt neue Tweets, Stories oder Beiträge auf Facebook über den Bildschirm flimmern und man nach fünf Sekunden zwar alles gesehen, das meiste jedoch schon wieder vergessen hat, entscheidet man sich bei einem Podcast bewusst für einen Inhalt. Es findet eine Entschleunigung statt – und gleichzeitig ist man bereit, die Inhalte einer Podcast-Episode bewusster wahrzunehmen. Das macht die Sache nicht nur für Medien, sondern auch für die Wirtschaft interessant.

Podcasts als Teil der unternehmerischen Kommunikationsstrategie

Neben der Möglichkeit einer klassischen Werbeschaltung (teilweise mit einem sehr viel höheren TKP als bei vergleichbaren Formaten wie Radio) werden immer mehr Unternehmen und Organisationen auf dieses Format aufmerksam und beginnen ihre (bezahlten) Inhalte über Podcasts auszuspielen. Dabei geht es in den meisten Fällen jedoch nicht um eine direkte Werbung für ein Produkt oder eine Dienstleistung, sondern um hochwertige Inhalte, welche die Hörer*innen zu schätzen lernen. Diese hochwertigen Inhalte können über Interviews, Reportagen, Kommentar-Formate, Erfahrungsberichte u.v.m. kostenlos für User bereitgestellt werden. Mit dem richtigen Konzept und einer professionellen Vorbereitung macht der Launch eines Podcasts nicht nur Spaß, sondern auch sehr viel Sinn. Natürlich bedarf es dabei einer umfassenden Kommunikationsstrategie, die dafür sorgt, den Podcast auf dem Markt in der relevanten Zielgruppe zu etablieren.

Gibt es schon zu viele Podcasts? Natürlich nicht. Es gibt auch nicht zu viele Bücher, Blogs, YouTube-Kanäle oder zu viele Websites. Die Kunst ist es, seine Zielgruppe genau zu definieren und mit hochwertigen Inhalten im Podcast sowie in der Vermarktung über die verschiedenen Kanäle zu erreichen. Jedes Thema hat eine Zielgruppe die sich freut, wenn für sie relevante Inhalte produziert und veröffentlicht werden.

Den ursprünglichen Artikel von Daniel Roßmann könnt ihr hier auf LinkedIn lesen und kommentieren. Eine Übersicht der bisherigen Podcastwerktstatt-Produktionen gibt es auf der Firmen-Website.