Der Podcast-Markt im Fokus

12. November 2020 |

Das Google für gesprochene Worte

Der deutsche Journalist Sebastian Meineck, bekannt vom genialen Online-Recherche-Newsletter, über die wichtigsten Suchmaschinen für Audio-Inhalte.

Fyyd, Spaactor, Listen Notes: Audio-Suchmaschinen im Vergleich

Screenshot: Fyyd.de

Wofür braucht man das? Man kann auf Google zwar Pacman spielen, aber nicht gezielt Podcast-Inhalte durchsuchen. Dabei können Radioproduktionen und Podcasts für eine Recherche starke O-Töne, Expert:innen und Protagonist:innen liefern. Spezialisierte Suchmaschinen helfen weiter.

Wie funktioniert das? Zu den besten Podcast-Suchmaschinen gehören Fyyd und Spaactor aus Deutschland und Listen Notes aus den USA. Alle drei erfassen Stichworte aus den Meta-Daten eines Podcasts, etwa Titel, Shownotes und URL. Spaactor geht noch einen Schritt weiter und lässt die Inhalte auch durch eine Spracherkennung laufen. Dadurch werden auch die gesprochenen Worte durchsuchbar. Im direkten Vergleich werden bei den drei Anbietern Vor- und Nachteile sichtbar.

Fyyd ist ein Hobbyprojekt des Podcast-Fans Christian Bednarek. In der Datenbank sind rund 2,5 Millionen vorwiegend deutschsprachige Podcast-Episoden. Fyyd bietet zudem kreative Wege, Neues zu entdecken. Im Bereich „Sammlungen“ gibt es etwa die Liste „Frauenstimmen im Netz“ mit Podcasts von und mit Frauen* im deutschsprachigen Raum. Im Bereich „Farben“ lassen sich Podcasts nach den Farbtönen ihrer Cover erkunden.

Listen Notes ist so etwas wie der internationale Bruder von Fyyd. Die Firma aus San Francisco hat nach eigenen Angaben mehr als 79 Millionen vor allem englischsprachige Podcasts in der Datenbank. Die Website hat mich beim Klicken durch die Suchergebnisse schnell verdächtigt, ein Bot zu sein, und eine kostenlose Registrierung verlangt.

Spaactor erfasst nicht nur Podcasts, sondern auch Videos aus öffentilch-rechtlichen Mediatheken. 1,8 Millionen Video- und Audiodokumente habe die Firma aus Bremen in der Datenbank, heißt auf der Website. Auch einige YouTube-Kanäle lassen sich durchsuchen. Mithilfe von Speech-to-Text-Software erstellt Spaactor Transkripte der Inhalte und verlinkt im Fall eines Treffers die passende Zeitmarke.

In der Erweiterten Suche lässt sich eine Anfrage gezielt auf Kanäle richten. So verrät Spaactor zum Beispiel, in wie vielen Videos auf dem Kanal „Rezo ja lol ey“ das Wort „CDU“ gefallen ist (es sind sechs). Oder wie oft Angela Merkel in ihrem Kanzlerinnenpodcast über „Elektromobilität“ (oft) und „Verschlüsselung“ (nie) gesprochen hat. Die Auswahl ist aber noch beschränkt.

Die negative Seite von Spaactors Text-to-Speech-Funktion: Es gibt zahlreiche False Positives, also vermeintliche Treffer, bei denen sich die Suchmaschine geirrt hat. Sowohl Spaactor als auch Listen Notes lieferten bei meinem Test doppelte Suchergebnisse. Die Ergebnisseiten bei Fyyd wirkten im Vergleich deutlich gepflegter.

Alle drei Suchmaschinen bieten API-Zugänge für Entwickler:innen; bei allen können Nutzer:innen fehlende Podcasts online einreichen. Außerdem lassen sich bei allen Alerts einrichten, also automatische Benachrichtigungen, sobald es ein neues Suchergebnis zu einem gewünschten Stichwort gibt. Gratis ist der Alert nur bei Fyyd.

Für einen direkten Vergleich habe ich eine Stichprobe gemacht und bei den drei Suchmaschinen nach einem seltenen Wort gesucht: „Ultralativ“. So heißt der YouTube-Kanal von Fynn Kröger, dem Interviewgast der heutigen Newsletter-Ausgabe, der schon in zahlreichen Podcasts zu hören war. Listen Notes erzielte für „Ultralativ“ 173 Treffer und schnitt am besten ab, bei Fyyd waren es 15 Treffer, bei Spaactor nur 3.

Fazit: Keiner der Anbieter ist perfekt. Je nach Recherche lohnt es sich, alle zu testen. Listen Notes glänzt mit einer großen, internationalen Datenbank; Fyyd hilft aktiv beim Entdecken von vorwiegend deutschsprachigen Inhalten; Spaactor hat das bisher einzigartige Speech-to-Text-Feature.

Info

Dieser Text erschien zuerst in Sebastian Meinecks Online-Recherche-Newsletter, den man auch monetär unterstützen kann. Wenn auch du etwas im Monat übrig hast, kannst du mit einer freiwilligen Mitgliedschaft auf Steady zeigen, dass guter Journalismus nicht umsonst ist. Danke!

Sebastian Meineck
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