Der Podcast-Markt im Fokus

3. November 2020 |

„freiheraus“: 3 Fragen an das feministische Podcastkollektiv

Vier junge Frauen verschreiben sich in ihrem Podcast dem Ziel, Frauen eine starke Stimme zu geben: Das „feministische Podcastkollektiv“ lädt andere Frauen zum mitmachen ein, die sich zu einem Thema äußern wollen – ob als Gast, als Expertin, als Podcastgestalterin.

„Die Lust auf mehr feministische Themen hat uns zusammengebracht“, erzählt Nadja Riahi über die Entstehungsgeschichte des freiheraus-Podcasts. Den produziert sie zusammen mit drei Freundinnen als „Das feministische Podcastkollektiv“.

Feminismus ohne Hemmungen

„freiheraus“ ist das „feministische Podcastkollektiv“, in dem sich Daniela Krenn, Lisa Lugerbauer, Nadja Riahi und Steffi Braunisch zusammengefunden haben. Sie kennen einander „über frühere Jobs oder das Studium“, wie Riahi zählt. „Das und die Lust auf mehr feministische Themen hat uns zusammengebracht.“ Ihr gemeinsames Interesse: Über und mit Frauen zu reden. Warum? Weil das zu wenig gemacht werde. Weshalb die vier Freundinnen das nun eben in ihrem Podcast tun: „Mal enthusiastisch, mal ernst, mal emotional: freiheraus eben. So ist auch unser Name entstanden: Am internationalen Frauentag wurde der erste Podcast freiheraus veröffentlicht.“ Seither kommt jeden zweiten Sonntag eine neue Folge raus.

Zu hören gibt es den freiheraus-Podcast in zwei Formaten: „Entweder sitzen wir zu viert zusammen und reden über ein Thema, das wir uns selbst aussuchen. Das können Dinge sein, die uns auffallen oder selbst gerade passieren. Trennungen oder Orgasmus-Schwierigkeiten oder das eigene Körperbild etwa. Diese Talks sind immer sehr persönlich, wie Frau sie auch mit einer Freundin führen könnte.“ Und dann gibt es die journalistischen Folgen: „Wir reden mit Expertinnen über ein relevantes Thema. Zu den bisher erschienen Themen zählen beispielsweise Schwangerschaftsabbruch oder Intersektionalität im Feminismus.“

Viel Spaß an der Sache

Dass alle vier beruflich aus dem Journalismus kommen, unterstützt die Arbeit am gemeinsamen Projekt. Aber eigentlich sei das nebensächlich. „Wir wollten reden und gehört werden. Wir haben uns vieles selbst beigebracht und von anderen gelernt. Und wir lernen immer noch dazu.“ Natürlich sei es manchmal anstrengend, neben dem Beruf noch den Podcast zu produzieren. „Aber es nicht zu machen, wäre auch keine Option“, meint Riahi. „Wir finden es wichtig, über unsere Themen zu sprechen und das auch zu veröffentlichen.“ Außerdem „macht eben doch verdammt viel Spaß“.

Was macht euren Podcast einzigartig?

Freiheraus ist genau das, was der Name auch sagt: freiheraus. Näher eingrenzen wollen wir das nicht, denn wichtig ist uns, offen zu bleiben – thematisch und auch personell. Deswegen auch „Podcastkollektiv“: Jede*, die mitmachen möchte, die sich zu einem Thema äußern will, soll das bei uns tun können. Ob als Gast, als Expertin, als Podcastgestalterin. Wir machen das, weil wir es wichtig finden, dass Frauen sprechen. Weil wir davon überzeugt sind, dass weibliche Stimmen mehr gehört werden sollen. Und weil wir das lieben, was wir tun. Ein Faktor, der uns von anderen Podcasts unterscheidet ist, dass wir eben zwei Arten von Folgen haben: die lockeren Talk-Folgen und die informativen Journo-Folgen.

Was ist die größte Überraschung (positiv oder negativ) bzw. die interessanteste Begebenheit, die es in Zusammenhang mit dem Podcast in den letzten Monaten gab?

Die größte Freude sind Rückmeldungen auf unsere Podcasts. Wenn unsere Hörer*innen schreiben, dass sie sich verstanden fühlen oder dass sie das Gehörte cool fanden, ist das einfach geil. Und wir hoffen, es werden noch mehr. Das ist auf jeden Fall eine positive Überraschung. Eine Herausforderung ist, dass wir seit mittlerweile zwei Monaten nicht mehr alle in einer Stadt wohnen. Nach eineinhalb Jahren der gemeinsamen Aufnahme – sprich: wir sitzen alle an einem Tisch, während wir eine Talkfolge aufnehmen – sind wir aktuell auf der Suche nach einer Möglichkeit, den Podcast in Zukunft weiterhin ohne Qualitätsverlust gemeinsam aufnehmen zu können. Die Überraschung, dass Dani aus beruflichen Gründen nach Deutschland gezogen ist, bedeutet glücklicherweise nicht das Ende von freiheraus.

Wird mit dem Podcast auch (schon) Geld verdient bzw. ist das geplant? Wenn ja: wie?

Aktuell verdienen wir mit freiheraus kein Geld. Wir haben den Podcast gestartet, weil uns die Themen am Herzen liegen und wir damit einen Beitrag zum öffentlichen Diskurs über Feminismus leisten wollen. Wenn sich ein Bezahlmodell ergibt, mit dem wir bei unserem Konzept und unseren Themen keine Abstriche machen müssen, würden wir eine Finanzierung begrüßen.

Bernhard Madlener