Der Podcast-Markt im Fokus

25. November 2020 |

„Fresh Hell Podcast“: Die amerikanisch-österreichische True Crime-Produktion

Der „Fresh Hell Podcast“ wurde online konzipiert und entsteht seit Beginn rein aufgrund der virtuellen Begegnung seiner Produzent*innen. Eine spezielle Rolle in dem weltweit erfolgreichen True Crime-Format spielt Österreichs Kriminalgeschichte.

Seit dem Frühjahr 2019 präsentiert der „Fresh Hell Podcast“ seinem internationalen Publikum True Crime-Storys mit einem besonderen Schwerpunkt auf die österreichische Kriminalgeschichte.

Kulturelle Gemeinsamkeiten der makabren Sorte

Was viele Podcasterinnen mit den Corona-Lockdowns zwangsläufig erlernen mussten, gehörte für Johanna Frehe und Annie Luevano schon immer zum Konzept: Sie produzieren ihren Podcast online, ohne sich dafür persönlich zu treffen. Genau genommen haben die beiden einander überhaupt noch nie im wirklichen Leben gesehen: Luevano lebt in den USA und Frehe in Österreich. Die Zuhörerinnen lernen die beiden kennen, „während wir uns auch gegenseitig kennenlernen“, sagt Frehe. „Außerdem ist es interessant, einen Fall durch zwei unterschiedliche kulturelle ‚Brillen‘ zu betrachten.“

Seit März 2019 widmen sich die beiden einem der erfolgreichsten Podcast-Genres: True Crime. Im Wochenrhythmus und mittlerweile knapp 90 Episoden geht es im „Fresh Hell Podcast“ um „murder, mystery and the macabre“. Das Publikum ist international, wenngleich gut zwei Drittel der Hörerinnen in den USA leben. Und während diesem Publikum grundsätzlich spannende und erschreckende Kriminalfälle aus der ganzen Welt präsentiert werden, erhalten die Hörerinnen auch einen ganz besonderen Einblick in die österreichische Geschichte.

Etwa, wenn die tragische Lebensgeschichte des mordenden Polizisten Ernst Karl, die haarsträubenden Geschehnisse rund um Martha Marek oder der schreckliche Tod von Ilse Moschner behandelt werden. Oder die Taten des Österreichers Jack Unterweger, der seine Opfer auch in Los Angeles fand: Diese Story kann aufgrund ihrer Popularität schon fast als trauriges kulturelles Bindeglied zweier Nationen verstanden werden. Der Community gefällt das jedenfalls außerordentlich, weshalb sich der Podcast „langsam aber stetig“ zur beruflichen Tätigkeit der zwei Hosts entwickle.

Wie ist die Idee zum Podcast entstanden?

Annie und ich haben uns bei einem Online-Game kennengelernt und merkten bald, dass wir uns gerne über sehr düstere Themen unterhielten: „Murder, mystery & macabre“ sozusagen. Also beschlossen wir, uns an einem Podcast zu versuchen. Wir haben eigentlich nicht erwartet, dass uns überhaupt irgendjemand zuhören wird.

Was ist die größte Überraschung bzw. die interessanteste Begebenheit, die es in Zusammenhang mit dem Podcast in den letzten Monaten gab?

Außer der Tatsache, dass wir tatsächlich mittlerweile eine internationale Zuhörerschaft haben, hat mich überrascht, wie groß die Unterstützung unseres Publikums ist. Dieses Jahr haben Annie und ich jeweils ein Elternteil verloren, und die Nachrichten unserer Fans – es ist immer noch sehr ungewohnt, dieses Wort zu verwenden – war absolut überwältigend. Wir haben die besten Zuhörerinnen und Zuhörer der Welt!

Wird mit dem Podcast auch (schon) Geld verdient bzw. ist das geplant? Wenn ja: wie?

Ja, mittlerweile verdienen wir ein wenig Geld durch Sponsoren und unsere Patreon-Unterstützer.

Bernhard Madlener