Der Podcast-Markt im Fokus

31. Juli 2020 |

How to Podcast, Pt. 6: Konzept & Zielgruppe

Zwischen Nische und Top-Trend ist noch viel Platz für dein Podcast-Thema

Heute gehen wir nochmal ein paar Schritte zurück: Wir beschäftigen uns mit der Konzeptentwicklung für deinen Podcast. Dabei sind einige wichtige Punkte zu bedenken, bevor es an die Aufnahme der ersten Folgen geht.  

Beweise deine Kompetenz

Natürlich kannst du darauf spekulieren, von Beginn an eine möglichst große Hörer*innenschaft zu erreichen, indem du einen Podcast z.B. im Bereich Comedy oder True Crime startest. Potenziell gibt es dafür ein besonders großes Interesse – insbesondere die Auseinandersetzung mit wahren Kriminalfällen hat zuletzt einen Boom erlebt. Andererseits musst du mittlerweile richtig gut sein bzw. ein spezielles, abwechslungsreiches Konzept anbieten, damit du aus der Menge an bestehenden Produktionen hervorstichst. Wobei die Frage, ob du originell, besonders spannend oder als Comedien/ne wirklich lustig bist, nicht du selbst, sondern das Publikum beantworten wird.

Abseits davon kann dein Weg zum Erfolg sein, eine besondere Nische zu besetzen. Das muss kein Thema sein, zu dem es noch gar nichts auf dem Podcast-Markt gibt. Aber vielleicht noch nicht so viele Angebote, dass bereits alles gesagt zu sein scheint. Grundsätzlich gibt es wohl für jedes Thema eine interessierte Hörer*innenschaft: für jedes Hobby, jede Leidenschaft – einfach für alles, über das irgendjemand irgendwas Neues erfahren möchte. Vielleicht sind es die vielfältigen Lebensweisen der Schmetterlinge auf den Kontinenten der Welt. Vielleicht ist es die Geschichte der Photographie, von der Loch-Kamera bis zum 8K-Sensor in der Luxuskamera für den Hobbyfilmer. Wichtig ist, dass du wirklich etwas zu erzählen hast: Sei es aus deiner (beruflichen) Expertise oder sei es, weil du auch für dich neue Themen ordentlich recherchierst und dein Material spannend und zugänglich aufbereitest.

Wen willst du erreichen – und wen nicht?

Natürlich steckst du mit diesen Überlegungen bereits das Feld ab, in dem deine Zielgruppen zu finden sind. Eine besondere Herausforderung ist es aber, dein Podcast-Thema derartig spannend aufzubereiten, dass auch Leute fasziniert sind, die vermeintlich überhaupt kein Interesse daran haben.

Nun kann es sein, dass du mit deiner Arbeit nicht einfach nur „viele Menschen“ erreichen willst, sondern bestimmte Personen. Das wird insbesondere dann eine Überlegung sein, wenn es sich um einen Podcast handelt, den du vielleicht als Unternehmer*in für deinen Arbeitgeber produzierst. Oder wenn es sich um den Podcast eines Vereins oder einer Hilfsorganisation handelt, mit dem Spendengelder aufgebracht oder auch ehrenamtliche Mitarbeitende angelockt werden sollen.

Wichtig ist, dass du jene Leute ansprichst, die du erreichen willst. Das beginnt damit, dass z.B. Frauen als solche angesprochen werden und nicht nur bei der Begrüßung der Hörer „mitgemeint“ sein wollen. Das bedeutet aber auch, dass z.B. die Verwendung von Fachbegriffen minimiert werden sollte, wenn du mit deinem Podcast nicht nur unter Deinesgleichen bleiben willst. Und schließlich geht es darum, sich mit statistischen Auswertungen z.B. von Plattformen wie Spotify und Apple zu beschäftigen, auf denen dein Podcast wahrscheinlich zu finden sein soll: Aus diesen lassen sich schon nach einigen Episoden das Geschlechterverhältnis, die Altersstruktur und die geographische Herkunft deines Publikums ablesen. Auf Basis dieser Informationen kannst du gezielt stärker auf diese Menschen eingehen – oder versuchen, z.B. mehr eine ältere Zielgruppe oder Menschen aus anderen Ländern anzusprechen.

Schon zu Beginn ist es wichtig, den Hörer*innen die Möglichkeit zum Feedback zu geben. Nicht beeinflussbar sind die Reviews und Bewertungen, die via Apple Podcasts hinterlassen werden können. Eine Mailadresse und Social Media-Kanäle in deinen Shownotes fördern aber den direkten Austausch mit der Community. Was dir wiederum ermöglicht, dich besser auf die Zielgruppe einzulassen – und auch Ideen für neue Themen zu bekommen.

Format & Veröffentlichung

Ob du den Podcast allein produzierst, zusammen mit einem/r Partner*in oder im Team, macht einen großen Unterschied. Denn egal, wie gut du inhaltlich bist: Es wird immer Leute geben, denen deine Art zu sprechen, dein Humor oder deine Stimme nicht gefällt. Die bleiben vielleicht mit dabei, wenn es noch jemand zweiten gibt. Nicht zuletzt wir der persönliche Aufwand für dich geringer, wenn die Podcast-Arbeit aufgeteilt werden kann.

Auch über die Dauer der einzelnen Episoden und die Veröffentlichungsfrequenz solltest du dir einige Gedanken machen. Tendenziell werden Podcasts immer kürzer, wenn man verschiedenen Expert*innen zuhört. Auf der anderen Seite geht es aber darum, wann und in welchen Situationen Menschen Podcasts hören. Sich mit Studien dazu auseinander zu setzen, ist sicher kein Fehler – auch in der Podcastwelt werden wir die Frage nach der idealen Dauer immer wieder thematisieren. Eine hilfreiche Überlegung ist aber, dass Menschen vielfach auf ihrem Arbeitsweg sowie bei der Erledigung von Hausarbeiten Podcasts hören. Nachdem der durchschnittliche Weg zur Arbeit in etwa 25-30 Minuten dauern soll, kann eine Podcast-Dauer von ca. 30 bis 50 Minuten ideal sein: Damit gehen sich auf der Hin- und Rückreise zum Arbeitsplatz jeweils ein bis zwei Podcast-Folgen aus.

Welcher Tag sich am besten für die Podcast-Veröffentlichung eignet, dazu gibt es nicht wirklich eine Empfehlung. Für Österreich wurde festgestellt, dass samstags am wenigsten Podcast-Folgen online gehen. Das hat aber nichts mit einem etwaigen geringeren Interesse der Hörer*innen an diesem Tag zu tun, sondern ist rein Produzent*innen-getrieben.

Die Wahl der Kanäle

Den „Schulen-Streit“ haben wir schon in einer früheren Folge dieser „How to“-Serie behandelt: Dabei geht es darum, ob man als Podcaster*in z.B. bei Spotify vertreten sein „darf“. Unser Fazit lautet: Ja, natürlich – es ist gut, auf möglichst vielen Kanälen erreichbar zu sein, um die eigene Reichweite zu steigern. Aber es ist jedenfalls zu empfehlen, sich mit den Hintergründen vor allem der großen Plattformen zu beschäftigen. Etwa was deren Gesamtstrategie angeht, um nicht irgendwann überraschend unter die Räder zu kommen. Um rasch und möglichst hürdelos bei Google, Apple und Spotify in der Podcast-Übersicht zu landen, empfehlen wir einen erfahrenen Hosting-Service auszuwählen.

Hast du vor, einen Podcast zu starten und möchtest der Podcastwelt eine Frage dazu stellen? Dann schreib uns doch ein paar Zeilen! Hinweise, Wünsche, Anregungen und Kritik zur Kolumne „How to Podcast“ sind ebenfalls jederzeit willkommen. Die Redaktion freut sich über jede Nachricht.

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Bernhard Madlener