Der Podcast-Markt im Fokus

23. September 2020 |

„Journey Stories“: Peter Arp über Menschen und ihre Flucht

Die Arbeit des Podcast-Teams, das im Jänner 2019 die erste Folge hochgeladen hat, wird durch Förderungen von „Bauern helfen Bauern“ und der „ERSTE Stiftung“ ermöglicht.

Eine Horizonterweiterung

Die erste Folge der „Journey Storys“ wurde im Jänner 2019 veröffentlicht. Und in den bald zwei Jahren seither hat sich Peter Arp „ein tiefes Wissen um die drängenden Fragen von Flucht, Migration und Integration angeeignet“. 85 Folgen sind bis zu diesem Review erschienen, für die zahlreiche „intensive Gespräche mit Betroffenen, Aktivist*innen und Expert*innen“ geführt wurden.

Es sind berührende, geistreiche, witzige und den Horizont erweiternde Gespräche mit Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen aus ihrer Heimat flüchten mussten; und mit Menschen, die sich der Geflüchtetenhilfe verschrieben haben. Ergänzt wird der Podcast durch eine ständig wachsende Website, auf der zusätzlich (politische) Hintergrundinfos gesammelt werden.

„Für mich sind die ‚Journey Stories‘ die perfekte Kombination meiner Rollen als Journalist, Theaterregisseur, Coach und Unterrichtender an der Uni“, so Arp. „In diesem Projekt kann ich meine gesammelten Stärken ausspielen.“ Entsprechend stehe der Podcast – „für den Augenblick“ – im Mittelpunkt seiner beruflichen Ausrichtung. Unterstützt wird er dabei von einem fünfköpfigen Team, dem unter anderem sein Sohn Nicolas Arp angehört.

Wann und wie ist die Idee zum Podcast entstanden, und wie wurde über den Titel entschieden?

2015, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsbewegung durch Österreich, mit Salzburg als Nadelöhr, habe ich mich intensiv in der Flüchtlingsbetreuung engagiert. Und dabei mit einer privaten, unabhängigen Hilfsorganisation zusammengearbeitet, deren Wurzeln in Srebrenica in Bosnien liegen: „Bauern helfen Bauern“ (BHB). Diese Zusammenarbeit mündete später in eine Koproduktion mit dem Schauspielhaus Salzburg, wo ich das Stück „Srebrenica“ über einen Überlenden des Genozids von 1995 geschrieben und inszeniert habe.

Anschließend hat BHB, um unsere gemeinsame Arbeit weiter zu vertiefen, diesen Podcast ermöglicht. Seit Januar 2019 sind wir damit online. Es ist ein Storytelling-Projekt, wir erzählen Geschichten von Flucht und Migration: Das spiegelt sich im Namen „Journey Stories“ wider.

Was ist die größte Überraschung (positiv oder negativ) bzw. die interessanteste Begebenheit, die es in Zusammenhang mit dem Podcast in den letzten Monaten gab?

Ohne der Frage ausweichen zu wollen: Es ist vor allem die Vielzahl und Intensität der Begegnungen mit Geflüchteten, Aktivist*innen oder Expert*innen, die mich immer wieder inspiriert und begeistert. Oder etwas konkreter: Im Herbst 2019 haben wir die Episoden 39 bis 45 vor Ort in Samos produziert, und dabei die Arbeit der NGOs vor Ort vorgestellt, die unter schwierigsten Umständen zum Teil herausragende Arbeit leisten. Das hat mich tief beeindruckt. Mein Sohn und Team-Mitglied Nicolas hat dort Rechtsberatung gemacht, also war es auch ein Vater-Sohn-Projekt.

Positive Überraschung: seit Januar 2020 werden wir von der „ERSTE Stiftung“ in Wien gefördert. Was es mir ermöglicht hat, mein Team auf jetzt fünf Leute und mich zu erweitern. Dieser Spirit schlägt sich in der gemeinsamen Arbeit nieder, was mich begeistert.

Wird mit dem Podcast auch (schon) Geld verdient bzw. ist das geplant? Wenn ja: wie?

Die Antwort ergibt sich aus der obigen: aktuell nein. Geplant: vielleicht, ist aber aktuell dank der Förderung durch BHB und ERSTE Stiftung auch kein Thema. Und nimmt uns jeden kommerziellen Druck.

Bernhard Madlener