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18. November 2020 |

Menschliche Dramen bei „Drama Carbonara“: Zwischen Lachkrampf und Kopfschütteln

„Drama Carbonara“ bedeutet Impro-Comedy vom Feinsten: Drei Freundinnen demontieren Lebensbeichten aus verschiedenen Schundheften. Ein skurriles Podcast-Erlebnis, das durch interessante Studiogäste eine immer wieder neue Dynamik erhält und seine Hörer*innen laut auflachen lässt.

Wenn das Leben ein Heftroman wäre

Die Storys, mit denen Asta Krejci-Sebesta, Jasna Hörth und Tatjana Lukáš ihr Publikum beglücken, behandeln jede für sich eine kleine Tragödie: „Ich zerstörte das Leben meiner besten Freundin“, „Mein Mann und seine Schwester, das darf nicht sein!“ oder auch „Mein Mann hat keine Ahnung von meinem erotischen Putzdienst“. Diese intimen Bekenntnisse entstammen freilich nicht dem persönlichen Leben der drei Freundinnen. Und dennoch handelt es sich um „Geschichten, die das Leben schreibt“. Oder die es schreiben würde – wenn das Leben nur ein bunter Heftroman wäre.

Genau diese Art „Schundliteratur“ steht nämlich im Mittelpunkt von „Drama Carbonara“: Es sind die Erlebnisse (mehrheitlich) junger Frauen mit (abwechselnd oder gleichzeitig) wohlhabenden, gutaussehenden Männern. Ihre Lebensbeichten haben es über die Zeitungsredaktionen von Blättern wie „Meine Schuld“, „Meine Wahrheit“ oder „Intimbeichte“ bis in die Bahnhofsbuchhandlungen und Arztordinationen dieser Welt geschafft. Und fielen schließlich auch den drei Wienerinnen in die Hände, die sie nun zur Belustigung ihrer selbst und der Hörer*innen im wöchentlichen Podcast-Format vorlesen.

„Frauenvernascher“ und Zwillingserotik

Ein gemeinsames Motiv der Storys ist mitunter die Suche nach der großen Liebe – die allzu oft nicht im eigenen Ehebett zu finden ist. Die Protagonist*innen spielen dabei optisch stets in der Klasse von Pitt/Jolie oder Clooney/Roberts – den Schönen, Reichen und Berühmten dieser Welt, an denen so viele von uns ihre Träume ausrichten. Das legen zumindest die Stock-Fotos nahe, die „Meine Schuld“ & Co. den Geschichten beistellen.

Zwischen „himmelhoch-jauchzend“ und „den Tränen so nah“ inszenieren Asta, Jasna und Tajana die absurden Geschehnisse in ihrem Home-Studio. Mit Prosecco- und Pasta-Begleitung, wobei sie immer wieder durch sympathische und interessante Studiogäste zum komödiantischen Quartett ergänzt werden. Denn ohne lautes Auflachen sind Schicksale wie etwa von „Reisebloggerin Alina (28)“, dem „Frauenvernascher Hans F. (35)“ oder den jeweils eineiigen Zwillingsgeschwistern Mia und Lea sowie Tim und Tom, die einander unerwartet nahekommen, auch kaum auszuhalten.

Impro-Comedy mit wechselnden Gästen

Das Drama wartet für diese Menschen an jeder Ecke, und dementsprechend haben die Hosts auch den titelgebenden Ausruf „Drama Carbonara“ etabliert: Diese Worte wirft in die Runde, wer sich – zwischen Lachmuskelkater und Fassungslosigkeit hin und her gerissen – dazu berufen fühlt, die Rolle des/r Vorlesenden zu übernehmen.

Die Komik des Podcasts speist sich vor allem aus den persönlichen Assoziationen des sympathischen Teams zu den präsentierten Lebensbeichten. Tatjana, Jasna und Asta ziehen die Protagonist*innen der Heftromane, aber durchaus auch sich selbst durch den Kakao. Bei aller Improvisationskunst gelingt es aber auch stets, ein vielseitiges Porträt des jeweils geladenen (und immer wieder prominenten) Studiogastes zu vermitteln.

Anmerkung aus Gründen der Transparenz: Bei „Drama Carbonara“ handelt es sich um einen Podcast unter Beteiligung von Tatjana Lukáš, Mitgründerin und Co-Herausgeberin der „Podcastwelt“. Die Redaktion hat sich dazu entschlossen auch Projekte mit eigener Beteiligung vorzustellen, und wir wählen dafür den Weg der gegenseitigen Rezension.

Bernhard Madlener