Der Podcast-Markt im Fokus

11. November 2020 |

„Nur a deppata Sportreporter“: 3 Fragen an Michael Knöppel

Sport-Podcasts sind in Österreich eher rar gesät. Und wenn, dann gehen sie tendenziell stark ins Fachliche einer bestimmten Disziplin. Michael Knöppel macht ein „Sporttagebuch“ für uns alle.

Michael Knöppel ist einer von vielen Podcaster*innen, die rund um die Zeit des ersten Corona-Lockdowns mit ihrem Format gestartet sind. Und uns seither beim Durchstehen dieser schwierigen Zeit begleiten.

Alles rund um den Sport

Ein tatsächliches Alleinstellungsmerkmal von Michael Knöppel ist wohl, dass er seinen Sport-Podcast als tägliches Format umsetzt: Montag bis Sonntag nimmt er in knapp fünfminütigen Episoden Stellung zur Situation des (heimischen) Sports. Und er schafft es, durch die thematische Verbindung von Sport mit Politik, Sport mit Kultur, Sport mit Wirtschaft oder Sport mit – natürlich auch – Corona auch bei Hörer*innen zu punkten, die mit Sport eigentlich nicht soviel anfangen können.

Im Frühjahr 2020, als Michael Knöppel mit „Nur a deppata Sportreporter“ an den Start ging, handelte es sich bei dem Podcast noch um ein wöchentliches Langformat, in dem auch Interview-Gäste zu Wort kamen. Mit zunehmender Dauer des ersten Lockdowns in Österreich entstand das neue Konzept innerhalb des Podcasts: das Sporttagebuch. Und in dieses lässt Knöppel sein Know-how und seine persönliche Meinung aus 40 Jahren einfließen, die er im und mit dem österreichischen Sport verbracht hat. Er war nämlich genau das: ein – gar nicht „depperter“ – Sportreporter.

40 Jahre Expertise

Wobei Knöppel heute, mit dem eigenen Format, betont: „Als Freiberufler unterliege ich keinerlei Blattlinie oder sonst irgendwelchen Zwängen. Ich gönne mir also den Luxus, wirklich sagen zu können, was ich will.“ Der Podcast unterstützt insofern auch wirklich seine berufliche Tätigkeit, als er sich täglich selbst dazu „zwinge“, ein gewisses Medienspektrum und diverse TV-Sport-Produktionen zu konsumieren, „um daraus genügend spannenden Stoff für den Podcast zu lukrieren“.

Wann und wie ist die Idee zum Podcast entstanden, und wie wurde über den Titel entschieden?

Meine mittlerweile längst großjährigen vier Kinder haben schon vor mehr als einem Jahr versucht, mir das Thema Podcast schmackhaft zu machen. Nicht zuletzt deshalb, weil ich in den 1980er- und 1990er-Jahren neben meiner TV-Tätigkeit auch noch sehr viel Radio gemacht habe. Damals gab es u.a. die tägliche Sendung „Sport und Musik“ auf Ö3. Damals in einer Form, wie man sie heute im Radio überhaupt nicht mehr kennt. Ich habe diese einstündige Sportsendung etwa 2.500 mal moderiert. Sie bestand aus einem Wortanteil von mindestens 60 bis 70 Prozent – für heute Ö3-Verhältnisse völlig unvorstellbar. Und wie mein Sohn Marino des Öfteren anmerkt, ist ein Podcast heute sehr nahe an der damaligen Form von Radio dran, denn es hat damals eben u.a. Interviews von fünf bis 15 Minuten gegeben.

Dazu sogenannte „gebaute“ Beiträge, in denen Originaltöne aus mehreren Interviews verarbeitet worden sind. Und um das Ganze abzukürzen: Im März dieses Jahres hatte mich mein Sohn soweit, tatsächlich einen täglichen Podcast zu machen, in dem ich beschreibe, was ich ohnehin seit bald 40 Jahren täglich mache: Nämlich Sport in allen möglichen Varianten zu konsumieren – und bis dahin auch privat zu kommentieren. Der Titel entstand, weil ich in Diskussionen und Gesprächen in der Familie sehr gerne sage „ich bin ja nur a deppata Sportreporter“, und mein Sohn dann sehr oft erwidert hat „ja, aber einer, der mehr weiß und mehr Erfahrung hat, als wir alle zusammen“. Und nachdem mein Sohn meinen Podcast technisch umsetzt, habe ich ihm erlaubt, den „deppaten Sportreporter“ wörtlich zu nehmen.

Was ist die größte Überraschung (positiv oder negativ) bzw. die interessanteste Begebenheit, die es in Zusammenhang mit dem Podcast in den letzten Monaten gab?

Überraschend ist für mich die Tatsache, dass es ohne jegliche Werbung und ohne Social Media-Konzept oder ähnlichem doch ein paar Menschen gibt, die sich das mitterweile wirklich täglich anhören. Schwierig ist die Tatsache, dass „täglich“ oft schon sehr mühsam ist, weil ich natürlich nicht immer hoch motiviert bin und auch noch ein paar andere Dinge im Leben zu tun habe.

Wird mit dem Podcast auch (schon) Geld verdient bzw. ist das geplant? Wenn ja: wie?

Ich verdiene mit dem Podcast keinen Cent. Im Gegenteil, ich muss auch noch meinen Produzenten valerino.creations (die Firma meines Sohnes) jeden Tag belästigen, das Ding für mich technisch umzusetzen. Ob man damit jemals Geld verdienen wird können, weiß ich nicht. Ich habe jedenfalls keinen Plan, wie das gelingen könnte. Aber natürlich wäre die Umsetzung um vieles leichter und man könnte an „schwierigen Tagen“ leichter die nötige Motivation finden, wenn es zumindest ein paar Euro dafür gäbe. Wobei ich ja davon überzeugt bin, dass zum Beispiel Sportwetten-Anbieter meinen Podcast perfekt nützen könnten. Es wäre ja für mich ein leichtes, Wettquoten bei der einen oder anderen Sportmeldung zu ergänzen. Auch Plattformen wie derStandard.at, laola, krone.sport oder ähnliche würden Sinn machen.

Bernhard Madlener