Der Podcast-Markt im Fokus

7. Oktober 2020 |

„Psychos“: 3 Fragen an Valeria Anna Lampert

Ob Depression, paranoide Schizophrenie, PTBS oder Zwangsstörung: „Psychos“ stellt Betroffene und deren Lebensgeschichte in den Mittelpunkt.

In ihrem Podcast macht Valeria Anna Lampert psychische Erkrankungen nahbar.

Bewusstsein für ein wichtiges Thema

Zwar stellt Lampert als studierte Psychologin die Fragen, um damit „die Erzählung voranzutreiben“. Ihre eigene Meinung, ihr Fachwissen oder persönliche Zugänge „spielen aber im Gespräch kaum bis gar keine Rolle“. Lampert geht es darum, die „ganz persönlichen Geschichten“ der Interviewpartner*innen, ihre „unterschiedlichen Ansichten und Empfindungen“, zu vermitteln.

Das zentrale Anliegen des Podcasts liegt damit auf der Hand: Das gesellschaftliche Bewusstsein für psychische Erkrankungen zu stärken und den Umgang mit diesen zu enttabuisieren. Und zu vermitteln, dass es – genau wie bei einem Virus oder einem Sportunfall – einfach jeden Menschen treffen kann. Oder dass man mit hoher Wahrscheinlichkeit im Laufe seines Lebens zumindest (naher) Angehöriger einer betroffenen Person sein wird.

Lampert ist hauptberuflich im Medienbusiness tätig, und das hört man der Produktion angenehm an. Sie ist zusammen mit ihrem Lebensgefährten Marino Knöppel, der selbst auch ein spannendes Podcast-Projekt betreibt, Mitgründerin der Produktions-Firma valerino.creations. Dennoch könne sie sich vorstellen, „irgendwann die Psychotherapie-Ausbildung fortzusetzen“. Bei „Psychos“ habe sie dafür jedenfalls schon viel dazugelernt.

Wann und wie ist die Idee zum Podcast „Psychos“ entstanden, und wie wurde über den Titel entschieden?

Vor einigen Jahren – als ich noch Psychologie-Studentin war – habe ich auf meinem Blog Geschichten von Menschen mit psychischen Erkrankungen mit dem Hintergedanken der Enttabuisierung geteilt. Letztes Jahr dachte ich mir, dass ein Podcast für das Thema einfach noch viel passender ist, weil man die Stimmen der Menschen hören kann und dadurch alles viel persönlicher wird. Es hat dann aber fast ein Jahr gedauert, bis ich tatsächlich mit dem Podcast begonnen habe.

Den Titel „Psychos“ habe ich gewählt, weil er simpel und leicht zu merken ist. Außerdem wird dieser Ausdruck oft abwertend verwendet. Indem ich ihn nehme und neutral behafte, möchte ich ihm ein bisschen diese „negative Macht“ nehmen und zeigen, dass „Psychos“ ganz normale Menschen sind.

Was ist die größte Überraschung (positiv oder negativ) bzw. die interessanteste Begebenheit, die es in Zusammenhang mit dem Podcast in den letzten Monaten gab?

Ich dachte zu Beginn, dass es sehr schwer werden würde, genügend Menschen zu finden, die offen und ehrlich über ihr Leben erzählen. Es war aber bisher recht unkompliziert – und darüber freue ich mich.

Wird mit dem Podcast auch (schon) Geld verdient bzw. ist das geplant? Wenn ja: wie?

Nein, ich verdiene noch kein Geld damit. Vielleicht werde ich mir aber in Zukunft konkreter Gedanken über die unterschiedlichen Möglichkeiten machen, da es doch Arbeit ist.

Bernhard Madlener