Der Podcast-Markt im Fokus

9. November 2020 |

Spotify kauft Werbe-Know-How und plant neue Podcast-Abos

Das Streaming-Portal Spotify arbeitet an der Erweiterung der Produktpalette – neue Bezahl-Abos sollen helfen, exklusive Podcast-Produktionen zu monetarisieren, das Unternehmen Megaphone dient der Erweiterung des Werbeinventars

Noch ist es nicht offiziell, aber die Hinweise häufen sich laut US-Branchenportalen, dass Spotify von der Musik-Plattform abgelöste Podcast-Abo-Modelle auf den Markt bringen will.

Nutzer-Umfrage

Das bisher stärkste Indiz, dass Streaming-Riese Spotify an kostenpflichtigen Podcast-Abos arbeitet, gab eine kürzlich stattgefunden User-Umfrage, bei der Modelle zwischen 2,99 Dollar und 7,99 Dollar abgefragt wurden. Dabei sollte, wie bei den bereits etablierten Aboformen, die teuerste Variante werbefrei sein. Alle vorgestellten Abos würden exklusive Interviews und Episoden enthalten.

Werbeinventar aufstocken

Ebenfalls gut aufs Geschäft soll sich die Übernahme des US-Unternehmens Megaphone um voraussichtlich 235 Millionen Dollar auswirken. Der Fokus des Unternehmens, das bis 2019 Panoply hieß, liegt auf Hosting und Werbe-Technologie. Dort steht vor allem das dynamische Einfügen von Anzeigen in Podcasts, das Werbetreibenden eine bessere Zielgruppenansprache, detailliertere Messfunktionen und eine größere Inventarskala bietet, im Fokus.

Derzeit fügt Spotify Streaming-Anzeigen über die SAI-Technologie ein. Die Firmenübernahme soll die schwedische Audio-Streaming-Plattform in eine stärkere Position bringen, um das Podcast-Werbegeschäft nach eigenem Ermessen umzugestalten. Aktuell gibt es nämlich, laut Jason Richman, Spotify-Vizepräsident für das globale Werbegeschäft, zu wenig Inventar, um die Nachfrage zu bedienen.

Mit Megaphone ließe sich nun das Inventar an dynamisch eingefügten Anzeigen erhöhen, indem die Spotifys bestehende SAI-Technologie mit den Targeted Marketplace-Technologie von Megaphone verschmolzen werden soll. Ein besonderer Bonus ist die exklusive Beziehung zu dem global agierenden Marktforschungsinstitut Nielsen, die den Abgleich von IP-Adressen mit einer Liste demografischer Segmente ermöglicht und so die detaillierte Ansteuerung von Werbekunden möglich macht.

Den Deal eingefädelt hat laut Podnews vermutlich Joel Withrow, ehemaliger Produktdirektor bei Megaphone, der Anfang 2019 Group Product Manager zu Spotify kam.

Wachstumskurs

Spotify ist bereits seit Jahren auf Wachstumskurs, im deutschsprachigen Raum beherrscht das schwedische Unternehmen bereits mehr als 2/3 des Musikstreaming-Marktes. Im ersten Halbjahr vermeldete Spotify ein Umsatzwachstum von 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Tatjana Lukas